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Gasförderung vor Borkum hat begonnen: Niederländer starten Testphase

Genehmigung für Seekabel durch NLWKN erteilt

Foto: One-Dyas
Foto: One-Dyas

Redakteurin: Lea Lübben 

Der niederländische Energiekonzern One-Dyas hat vergangene Woche mit der umstrittenen Erdgasförderung in der Nordsee vor den Inseln Borkum und Schiermonnikoog begonnen. Das Projekt, das nahe dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer liegt, stößt auf scharfe Kritik von Umweltschützern und Kommunen, die rechtliche Schritte prüfen.

 

Gasförderung bereits im Gange
Wie das Unternehmen One-Dyas mitteilte, handelt es sich zunächst um eine 90-tägige Testphase, in der jedoch bereits Gas gefördert wird. Die Bohrplattform N05-A wurde im August 2024 etwa 20 Kilometer nördlich von Borkum errichtet. Ursprünglich sollte die Produktion früher starten, jedoch verzögerte sich das Projekt aufgrund von Klagen gegen die Verlegung eines Stromkabels zum nahegelegenen Offshore-Windpark Riffgat. Die Genehmigung für die Verlegung des Kabels wurde jetzt aber am 31. März vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) erteilt.

 „Solange es eine Nachfrage nach Gas gibt, ist dieser Standort in der Nordsee die beste Wahl. Sobald das acht Kilometer lange Kabel zum Windpark Riffgat verlegt ist, wird dies die erste Plattform in diesem Teil der Nordsee sein, die nahezu emissionsfrei ist“, heißt es von One-Dyas. In einer Stellungnahme betonte der Energiekonzern, dass alle notwendigen Genehmigungen vorlägen und das Projekt seit langem bekannt sei: „Wir freuen uns, dass wir die Testphase mit nur wenigen Monaten Verzögerung beginnen konnten. Dies steht im Einklang mit der Politik der Niederlande und Niedersachsens, die die Notwendigkeit von lokalem Nordseegas während der Energiewende betont.“ Das Unternehmen argumentiert, dass die heimische Gasförderung weniger umweltschädlich sei und weniger abhängig mache als Importe aus Ländern wie den USA, Russland oder Katar. CEO Chris de Ruyter van Steveninck erklärte: „Keine Förderung in der Nordsee bedeutet mehr Kohle und LNG-Importe – und damit 30 bis 50 % mehr CO₂-Emissionen. Daran kann niemand Interesse haben. Es gibt keine emissionsärmere Gasproduktion, und das ist ein großer Schritt zur Erreichung der Klimaziele im Rahmen der Energiewende.“

 

Kritik von Borkum
Die Stadt Borkum zeigt sich dagegen verärgert über die mangelnde Kommunikation seitens One-Dyas: „Leider wurde die Stadt Borkum über den Beginn und die Planung dieses Vorhabens nicht vom Unternehmen selbst informiert.“ Besonders kritisch sieht die Kommune den Einsatz von Gasgeneratoren, solange das Stromkabel noch nicht verlegt ist: „Diese verursachen zusätzliche Stickstoff- und CO₂-Emissionen, die nach der Auffassung der Stadt Borkum und der Umweltorganisationen in den bestehenden Genehmigungen noch nicht berücksichtigt sind.“

Paradox erscheint der Beginn der Gasförderung hingegen im Hinblick auf den vom 26. bis 28. März 2025 durchgeführten deutsch-niederländischen Workshop auf Borkum zum Thema Lösungen und Auswirkungen des Klimawandels auf die ost- und westfriesischen Inseln: „Während sich VertreterInnen der Inseln über Lösungen für den Klimawandel austauschten, wurde vor ihrer Haustür die fossile Energiegewinnung vorangetrieben.“

Zur kürzlich genehmigten Verlegung des Seekabels äußert sich die Stadt Borkum wie folgt: „Die Stadt Borkum und die Gemeinde Juist planen, Rechtsmittel gegen die Entscheidung einzulegen. Sobald Rechtsmittel eingelegt werden, darf mit dem Bau der Kabeltrasse erst begonnen werden, wenn eine gerichtliche Entscheidung über die Bestandskraft der Genehmigung vorliegt. Die Widerspruchsfrist beträgt einen Monat. Anders als zuvor, wurde One-Dyas nun verpflichtet, für die zerstörten Teile des Riffs einen Realausgleich an einer noch unbekannten Stelle in der Nordsee zu schaffen. Die Wiederansiedlung von Riffen ist jedoch langwierig und der Erfolg ungewiss. In Zeiten des Artensterbens und der sich verschärfenden Klimakrise sind natürliche Lebensräume mit ihren etablierten Arten wie beispielsweise die Nordseeriffe von enormer Bedeutung für die Stabilisierung der marinen Ökosysteme, von denen auch die Inseln abhängig sind. Deshalb setzen sich die Stadt Borkum und die Inselgemeinde Juist weiterhin für den Erhalt der Riffe ein.“

 

Rechtliche Auseinandersetzung droht
Die Stadt Borkum und die Inselgemeinde Juist prüfen derzeit rechtliche Schritte, um das Projekt noch zu stoppen. Auch Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kündigten Widerstand an. „Die DUH kritisiert das Vorgehen des Konzerns als ungesetzlich und fordert von den zuständigen Behörden auf deutscher und niederländischer Seite, gegen den unrechtmäßigen Beginn der als ‚Testphase‘ getarnten Förderung einzuschreiten. Die DUH und seine niederländischen Partner prüfen aktuell weitere rechtliche Schritte“, teilt die DUH in einer Pressemeldung mit. Die Seekabel-Genehmigung kritisiert die DUH als weiteren Schritt zur „unnötigen Förderung fossiler Energieträger“ in der Nordsee. DUH-Geschäftsführer Sascha Müller-Kraenner: „Die Genehmigung ist ein fatales Signal für die Nordsee und eines ihrer letzten artenreichen Steinriffe. Schon zuvor haben wir die niedersächsische Landesregierung auf die Rechtswidrigkeit der Riffzerstörung hingewiesen und dem vor Gericht ein Ende gesetzt. Auch wenn One-Dyas zwischenzeitlich die Planung zum Ausgleich der Eingriffe überarbeitet hat, bleibt es dabei, dass die Zerstörung der geschützten Biotope gegen gesetzliche Vorschriften verstößt. Das ist eine eklatante Missachtung von Umweltrecht. Wir werden sofort Widerspruch einlegen und notfalls Klage erheben.“  

 

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